BERLING ALS PRODUZENT VON KURZFILMEN

Ende der 50er Jahre begann Berling, damals noch Kunststudent an der Akademie München, seine Produzentenkarriere zusammen mit dem frischgebackenen Dr. jur. Alexander Kluge als Regisseur: Rennen (1960). Ein gelungener Zusammenschnitt der bis dahin stattgefundenen wichtigsten Ereignisse der Grand Prix - Geschichte. Als Sprecher gewann das Gespann den Schauspieler Mario Adorf. Der Schwarz-Weiß-Film bekam auf Anhieb das Prädikat «wertvoll» und wurde von dem damals renommiertesten deutschen Verleih ATLAS gekauft. Die Faszination der Formel I führte in der weiteren Folge zum Der Sommer des Grafen Trips (1961) und zur nicht veröffentlichten Endlose Nacht.
Berling-Portrait von Isolde Ohlbaum.
Statt immer nur Filme zu gucken. Peter Berling und Wolfgang Limmer am Strand von Cannes.

Die Zusammenarbeit mit Kluge gipfelte 1962/63 in dem gemeinsam entwickelten Protokoll einer Revolution, «besonders wertvoll», Berlings erste Bundesfilm­prämie. Die phantastische Geschichte des Sturzes eines südamerikanischen Diktators.

Danach trennten sich ihre Wege. Alexander Kluge erwarb sich mit seinen Spielfilm-Erstlingen bereits Lorbeeren auf der Biennale, Berling wandte sich dem klassischen Kulturfilm zu.

La femme fleur (1964, frz. Co-Prod., dt. Titel: Entwürfe und Träume). Für diese exquisite Arbeit über den europäischen Jugendstil holte sich Berling die besten Cineasten, so den Polen Jan Lenica für die Trick-Animation, Henri Colpi für den Schnitt und Georges van Parys für die Musik. Den Text steuerte André Peyre de Mandiargues bei (dt. Fassung: Kyra Stromberg, Sprecher: Christian Wolff). Nur an die Besetzung des Regisseurs hatte er nicht gedacht, so dass dieses - mit dem Goldenen Löwen von Venedig preisgekrönte - Werk als seine einzige Regie rühmlich an ihm hängen blieb.

1965 folgten Entwurf für ein Jahrhundert - vom fin de siècle bis zum bauhaus (Regie: Kyra Stromberg), Peggy Guggenheim - die Mäzenin inmitten ihrer Sammlung im Palazzo am Canale Grande (Regie: Elke Körver), Alvar Aalto - die Bauten des finnischen Meisterarchitekten und sein Atelier in Helsinki (Regie: Bernd Hoeltz).

1966 Das seltsame Fest des Mr. Beardsley, eine Trickfilm-Animation der berühmtesten Illustrationen des Meisters, der zu einem makabren Ball in Venedig einlädt (Regie: Aki von Akermann).

Anschließend die höchst merkwürdige Begegnung mit dem letzten noch lebenden Künstler aus der Epoche des Jugendstils: Alastair. Eine Reise in die Vergangenheit, in den Beginn des 20. Jahrhunderts, an die Stätten des Wirkens. Auch dieser Film wurde mehrfach international ausgezeichnet (Regie: Günter Lemmer).

Im gleichen Jahr begann Berling seine Zusammenarbeit mit Klaus Lemke, einem der führenden Regisseure der zweiten Generation des «Jungen Deutschen Films»: Duell und Ein Haus am Meer, beides moderne Beziehungskonflikte aus der Sicht der damaligen Zeit, die jetzt zunehmend vom amerikanischen Gangsterkino geprägt wurde. Dazu gehören auch Auftrag ohne Nummer von Niklaus Schilling, Das Kleid von Wolfgang Limmer und der später entstandene Die Geschäftsfreunde von Martin Müller.

Berling produzierte über 20 prädikatisierte Kurzfilme.
 

Mit dem gleichaltrigen Freund Peter Schamoni. Christian Friedl (im Hintergrund) und Klaus Lemke kennen keinen Spaß mit dem Geschäftsfreund Berling.